1. Marktteilnehmer, Umsätze und Verkaufsfläche
Das Baumarktsegment spiegelt die besonderen Herausforderungen der deutschen Einzelhandelslandschaft besonders gut wider. Eine anhaltende Marktkonzentration hat zu einem Top 7 Gefüge geführt, zu dem Obi, Praktiker, Bauhaus, Hornbach Zeus, Rewe (Vertriebslinie toom) und Globus gehören. Gemeinsam repräsentieren sie 85 Prozent der Umsätze der 20 größten DIY Retailer. Diese Top 20 erwirtschafteten im Jahr 2008 etwa € 27 Mrd. im Inland.
Umsatzwachstum konnte in den vergangenen Jahren in erster Linie nur über eine Ausweitung der Verkaufsfläche realisiert werden. Diese beträgt zur Zeit in Summe 16,9 Mio. qm mit einer Basis von 3.670 Geschäften. Die entsprechende Flächenproduktivität hat über die Jahre stark abgenommen, sich aber jüngst bei € 1.580 / qm stabilisiert (siehe Abbildung). Dies ist dennoch gerade einmal die Hälfte der durchschnittlichen Flächenleistung des Einzelhandels.
2. Strategische Ausrichtung
Die strategische Positionierung der Baumärkte lag lange Zeit im Unklaren, die Austauschbarkeit der Anbieter war entsprechend hoch. Erst seit vergleichsweise kurzer Zeit werden Sortimente gestrafft und Zielgruppen explizit angesprochen. Neben professionellen Kunden, d.h. Handwerkern und Bauunternehmen, ist das Privatkundengeschäft ausgesprochen wichtig. Baumärkte galten und gelten hier jedoch aufgrund ihrer Angebotsfülle als wenig übersichtlich und insbesondere nicht sehr serviceorientiert. Die Betreiber haben Anstrengungen unternommen, diese Problematik besser in den Griff zu bekommen. So werden inzwischen Wohnwelten und Einrichtungsvorschläge gezeigt sowie Anleitungen zum erfolgreichen Realisieren von DIY-Projekten gegeben. Einige Anbieter haben zudem die weibliche Zielgruppe stärker fokussiert.
3. Besondere Chancen des Baumarktsegments
Die angesprochene strategische Ausrichtung ist sowohl für Händler als auch Hersteller im Baumarktsegment von besonderer Relevanz. Gerade in wirtschaftlich schwächeren Zeiten wird seltener auf Handwerker zurückgegriffen. Trotz nach wie vor verbreiteter Schwarzarbeit sind vor allem komplexere Arbeiten ein teures Unterfangen. Eine steigende Zahl von Privatpersonen wägt daher ab, ob bestimmte Arbeiten nicht selbst als typisches DIY-Projekt erledigt werden können. Oftmals fehlt dazu jedoch eine fachkundige Anleitung. Gerade diese kann aber von den DIY-Einzelhändlern bzw. Herstellern gegeben werden. Eine höhere Serviceorientierung durch den Einsatz von Projektberatern (die eventuell sogar mit zum Kunden fahren und vor Ort Ratschläge geben) kann die entscheidende Differenzierung zum Wettbewerb ermöglichen. Bei im voraus planbaren Projekten kann seitens des Einzelhändlers auch eine Kundengruppe ins Leben gerufen werden, in der über anstehende Projekte diskutiert und gegenseitig bei der Ausführung unterstützt wird. Solche Ansätze sind nicht nur während schwächerer Konjunkturphasen interessant, sondern ganz generell - Konsumenten möchten wieder mehr selbst erledigen und aktiver ihr Leben gestalten, indem sie sich neuen Aufgaben stellen.











