1. Umsätze bei Bekleidung und Textil sowie Marktkonzentration
Die Ausgaben der privaten Haushalte für Bekleidung und Schuhe sind über mehrere Jahre zurückgegangen und haben sich erst in der jüngeren Vergangenheit wieder stabilisiert. Im Jahr 2008 betrugen die Gesamtumsätze im Bekleidungs- und Textilsegment etwa € 56 Mrd. Noch zehn Jahre zuvor standen sie bei € 61,2 Mrd. In Relation zum durchschnittlichen Budget eines deutschen Haushalts werden nur zwischen 4 und 5 Prozent für Bekleidung ausgegeben. Die nebenstehende Abbildung beschränkt sich auf den Bekleidungsbereich und blendet somit Textilumsätze (z.B. für Bettwaren, Teppiche usw.) aus.
Sinkende Umsätze haben vor allem kleinere Fachgeschäfte aus dem Markt gedrängt. Geprägt wird das Bekleidungssegment daher in hohem Maße durch Filialisten wie C&A, H&M, Peek & Cloppenburg usw. Wie die nachfolgende Tabelle illustriert, haben Textileinzelhändler mit einem Umsatz jenseits der € 100 Mio. - dies sind zur Zeit 26 Unternehmen - einen aggregierten Marktanteil von 46 Prozent.
| Umsatzkategorie (€ Mio.) |
Anzahl der Unternehmen |
Nettoumsätze (€ Mrd.) |
| weniger als 0,5 | 23.200 | 3,3 |
| 0,5 bis 5 | 3.800 | 4,7 |
| 5 bis 25 | 310 | 3,1 |
| 25 bis 100 | 50 | 2,3 |
| mehr als 100 | 25 | 11,6 |
| Gesamt | 27.385 | 25 |
2. Vertikale Anbieter und Formate
Sogenannte vertikale (oder Mono-Label) Bekleidungseinzelhändler haben inzwischen eine beträchtliche Marktpräsenz erreicht. Hierbei handelt es sich um Unternehmen wie z.B. H&M, S. Oliver, Esprit und Zara. Diese lassen ihre schnell wechselnden Kollektionen im Auftrag und nach Abverkaufszahlen produzieren. Daraus ergibt sich eine sehr flexible Sortimentssteuerung. Von den Vertikalen abgrenzbar sind Multi-Label-Stores wie Peek & Cloppenburg (sowie dessen Vertriebslinie Ansons) oder Breuninger, die bekannte Markenkleidung, z.B. von Hugo Boss, Armani, Brax, Burberry, Gardeur, und Seidensticker anbieten. Als ein drittes Format sind die beiden großen Kaufhausbetreiber Kaufhof und Karstadt zu nennen, die größtenteils eine Mischung aus Eigenmarken und Markenbekleidung verkaufen. Das vierte Format umfasst Bekleidungsdiscounter wie Kik, Takko, NKD und Vögele. Ähnlich wie im Lebensmittelbereich ist der Discount auch im Bekleidungssegment sehr erfolgreich, auch wenn die Abstufung zu den anderen Formaten sehr deutlich ausfällt - sowohl in punkto Qualität als auch Einkaufsatmosphäre.
3. Partnerschaftsmodelle zwischen Lieferanten und Bekleidungseinzelhandel
Wie bereits in der Gesamtmarktbetrachtung und den Zukunftsperspektiven beschrieben, nehmen immer mehr Hersteller und Lieferanten die Vertriebswege selbst in die Hand. Daraus können sich Vorteile wie eine größere Nähe zum Kunden, einem zügigeren Kollektionswechsel und eine bessere Markenpflege ergeben. Ein solcher Prozess ist insbesondere im Bekleidungssegment zu beobachten. Auch der Druck durch den Erfolg vertikaler Anbieter macht ein stärkeres Engagement der Bekleidungslieferanten am Point of Sale notwendig. In der Praxis sind verschiedene Partnerschaftsmodelle zu beobachten, bei denen die Intensität des Ineinandergreifens von Handel und Lieferant unterschiedlich ausgeprägt ist. Solche Modelle reichen vom Betreiben eigener Shops durch die Lieferanten (z.B. Adidas, Gerry Weber) über die eigene operative Betreuung von Verkaufsflächen (die somit quasi nur noch vom Einzelhandel angemietet werden) via Concessions bis zu Shop-in-shop Varianten. Die Anzahl dieser sogenannten Flächenpartnerschaften steigt seit Jahren kontinuierlich. Für das Jahr 2008 wurde von insgesamt 45.700 Kooperationen berichtet; im Vorjahr waren dies erst 42.660.











