Ingo R. Titze Research & Consulting

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Lebensmittel: deutscher LEH punktet mit Bio und Convenience

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1. Lebensmittelumsätze, Marktteilnehmer, Filialen und Verkaufsfläche

Die jährlichen Umsätze des deutschen Lebensmitteleinzelhandels (LEH) liegen bei über € 130 Mrd. Aufgrund der hohen Konzentrationsrate in diesem Segment wird der Markt insbesondere von fünf Einzelhändlern dominiert: Edeka, Rewe, der Schwarz Gruppe (mit den Vertriebslinien Lidl und Kaufland), Aldi und Metro (mit dem Einzelhandelsformat Real). Insgesamt haben die vorgenannten Unternehmen einen Anteil von etwa 70 Prozent am gesamten LEH. Durch die im Jahr 2008 erfolgte Übernahme großer Teile von Plus durch Edeka ist die Konzentration noch weiter vorangeschritten.

Während die Lebensmittelumsätze jedes Jahr eine Steigerung zu verzeichnen haben, ist die Anzahl der Lebensmittelgeschäfte stark rückläufig. Noch im Jahr 2000 gab es etwa 70.500 Läden in Deutschland - acht Jahre später ist diese Zahl auf schätzungsweise unter 49.000 Einheiten gefallen. Hauptgrund dieser Entwicklung ist das faktische Verschwinden von kleinflächigen Geschäften mit Verkaufsflächen unter 400 qm. Der Trend geht zu Lebensmittelfilialen mit einer wesentlich höheren Verkaufsfläche (üblicherweise zwischen mindestens 1.000 und 1.500 qm). Insbesondere das Discount - Format, das eigentlich von der kleineren Fläche kommt, hat aufgrund seiner Sortimentsausweitungen (z.B. in punkto Convenience - Produkten und Non - Food - Angeboten) seine Verkaufsräume stets vergrößern müssen. Zwischen 1995 und 2008 ist die Gesamtfläche im LEH um 20 Prozent auf 29 Mio. qm angewachsen.

2. Vertriebsformate im LEH

Der Lebensmittel - Discount gilt quasi als deutsche Erfindung, die sich nicht zuletzt aufgrund der starken Expansion der entsprechenden Betreiber in Europa und weltweit etabliert hat. Die Unternehmenshistorien von Aldi und Lidl reichen mehrere Jahrzehnte zurück - und haben seither einen beispiellosen Aufschwung erlebt. In den vergangenen 15 Jahren steigerten sie ihren Marktanteil auf heute etwa 43 Prozent. Zur gleichen Zeit verloren SB-Warenhäuser und Kleinformate an Bedeutung - eine Ausnahme ist hier der SB-Warenhausbetreiber Kaufland, ein Teil der Schwarz Gruppe. Auch die traditionellen Supermärkte gerieten während der letzte Jahre schwer unter die Räder, konnten sich aber durch einen Fokus auf Markenprodukte, Frischesortimente und Filialerneuerungen wieder etwas stabilisieren.

Es erscheint teilweise etwas irritierend, dass die Lebensmittel - Discounter zunehmend ihre Sortimente ausweiten, obwohl dies eigentlich ihrer Kernstrategie (geringe Sortimentsbreite zu Tiefstpreisen) widerspricht. Hintergrund ist der, dass sie stets gut funktionierende Innovationen der Supermärkte nach ausgiebigen Tests übernehmen - dies galt für Non - Food Angebote ebenso wie für Obst und Gemüse, Frischfleisch, Convenience-Produkte, Mobilfunkangebote und vieles mehr. Somit folgen sie konsequent den Wünschen der Konsumenten, ohne sich dabei wesentlich zu verzetteln. Niedrige Betriebskosten, Tiefstpreise, und Handelsmarken mit guter bis sehr guter Qualität sind nach wie vor ihre zentralen Erfolgsfaktoren.

3. Neue Entwicklungen und Trends bei Lebensmitteln

Wie auch andere westliche Märkte ist das deutsche Lebensmittelsegment in der jüngeren Vergangenheit von einigen wesentlichen Entwicklungen beeinflusst worden. Insbesondere lassen sich hier aufführen:

  • Bio - bzw. Öko - Lebensmittel
  • Fett- und kalorienreduzierte Produkte (Wellness-Trend)
  • Convenience - Produkte im Sinne frischer Fertigprodukte
  • Produkte aus fairem Handel (Fair Trade)

Interessanterweise galten solche Innovationen lange Zeit als Domäne der Vollsortimenter, d.h. der Supermärkte und SB-Warenhäuser. Wie bereits oben beschrieben, werden diese Trends jedoch inzwischen nach kurzer Testzeit von fast allen Discountern übernommen, so dass den Vollsortimentern die Differenzierung schwieriger fällt. Fair Trade Produkte sind bei Lidl erhältlich, gekühlte und frische Fertigprodukte / Convenience - Artikel wurden flächendeckend bei Aldi eingeführt. Bio - Lebensmittel werden inzwischen von allen Discountern angeboten - größere Zweifel hinsichtlich deren Qualität und Herkunft blieben bisher aus.

4. Bio - bzw. Öko - Lebensmittel

Bio - Lebensmittel haben sich als starker Wachstumstreiber im Lebensmittelsegment erwiesen. Während Öko - Konsumenten in der Vergangenheit noch häufig belächelt wurden und auf spezielle Geschäfte angewiesen waren, ist der Bio - Trend zum sogenannten Mainstream - Trend avanciert. Die Umsätze mit Öko - Lebensmitteln betrugen 2008 knapp € 6 Mrd. Dies ist zwar nach wie vor ein recht kleiner Anteil am gesamten Lebensmittelsegment von über € 130 Mrd., jedoch wächst der Bio - Bereich nach wie vor mit zweistelligen Prozentraten pro Jahr. Ironischerweise konnten viele Naturkostfachgeschäfte von dieser Entwicklung nicht profitieren - da eine zunehmende Anzahl der Produkte nun auch im konventionellen Supermarkt und eben auch Discounter erhältlich ist, werden Kundenbesuche des Reformhauses und eben dieser Fachgeschäfte seltener. Der organisierte Lebensmitteleinzelhandel, d.h. die Filialisten, stehen heute für mehr als 50 Prozent der Gesamtumsätze mit Bio - Lebensmitteln. Profitieren konnten auch Bio - Supermärkte, die ausschließlich Bio - Produkte anbieten (z.B. Basic und Alnatura). Diese sind jedoch fast nur im urbanen Bereich vertreten und in der Gesamtfilialanzahl keine nennenswerten Player im Markt. Im Gegenteil, ist ihnen ihr schnelles Wachstum teilweise fast zum Verhängnis geworden, so dass durchaus schon einzelne Filialen geschlossen werden mussten.

Bisher ist der Bio - Lebensmittelbereich von größeren Skandalen verschont geblieben. Vereinzelt traten jedoch bereits Fälle auf, in denen konventionelle Ware als Bio - Ware gekennzeichnet war. Dies ist jedoch in der Öffentlichkeit nicht besonders beachtet worden. Viel mehr Aufmerksamkeit fand das kurzfristige Engagement der Discount - Gruppe Schwarz beim Bio - Supermarktbetreiber Basic. Dies wurde durch Kundenproteste und Lieferantenboykotts nach wenigen Monaten wieder beendet. Als Motive für den Einsteig von Schwarz wurden Bemühungen zur Imageverbesserung sowie Absicherung von Lieferantenbeziehungen im Bio - Bereich gehandelt.

5. Convenience - Produkte

Obwohl es noch keine einheitliche Definition des Terminus "Convenience" gibt, besteht doch ein allgemeines Verständnis über wesentliche Artikelgruppen, die diesem Bereich zuzurechnen sind. Dazu gehören insbesondere gekühlte Fertigprodukte (sog. Chilled Food) wie z.B. Fertigsalate, frische Pasta, Sandwiches und sogenannte Smoothies (frisch gepresste Säfte mit Fruchtbestandteilen). Tiefkühlkost ist ein zweiter wesentlicher Bereich, ebenso wie Nassfertigprodukte (z.B. klassische Schalenfertiggerichte und Suppen). Auch einige Trockenprodukte können zur Convenience - Gattung gezählt werden. Ein wesentliches zugrunde liegendes Kriterium für Convenience - Produkte ist ihre einfache und zeitsparende Zubereitung. Sie sind damit für Zielgruppen wie Singles und Berufstätige, durchaus aber auch für Familien mit berufstätigen Eltern interessant.

Da Fertigprodukten lange Zeit der Makel von ungesundem Essen anhaftete, ist der Frischeaspekt stark in den Vordergrund gerückt worden. Entsprechend optimierte Lieferketten haben es ermöglicht, die Dimensionen "schnell, frisch und gesund" weitgehend zu vereinen. Auch Bio - Convenience - Produkte sind am Markt erhältlich. Einige Händler haben sogenannte Ultra - Frischeprodukte in ihr Sortiment aufgenommen. Der Erfolg mit solchen Produkten hängt jedoch wesentlich von einer hohen Kundenakzeptanz ab, insbesondere der recht hohen Preise. Während der Einführungsphase können hohe Abschriften entstehen, da der Bedarf für solche Produkte seitens der Kundschaft nicht genau prognostizierbar ist. Hinzu kommt nämlich der Lerneffekt bei den Konsumenten selbst, dass diese frische Fertigprodukte im jeweiligen Ladengeschäft erhalten können. Eine hohe Kundenfrequenz in urbaner einkommensstarker Lage, optimalerweise an Verkehrsknotenpunkten, scheint ein nicht zu verachtender Erfolgsfaktor.
Ebenfalls erfolgversprechend scheinen frei kombinierbare Fertigprodukte, wie sie neuerdings im Handel angeboten werden. Hier können für Komplettgerichte einzelne Komponenten, z.B. Fleisch, Kartoffeln und Gemüsebeilagen ausgewählt werden.

Insgesamt lässt sich das Convenience - Bereich auf € 16,7 Mrd. beziffern. Es besteht im Wesentlichen aus den bereits oben genannten vier Produktgruppen (s. Abbildung).

 
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Ingo R. Titze Research & Consulting ist Mitglied der British Chamber of Commerce in Germany.


 

05. Juli 2010: Deutscher Markt für Unterhaltungselektronik robust

Im Vergleich zum europäischen Durchschnitt wird sich der deutsche Markt für Unterhaltungselektronik in diesem Jahr wahrscheinlich gut entwickeln. Nach Angaben des Branchenverbandes Bitkom wird für 2010 nur ein leichtes Umsatzminus von 0,4 Prozent auf 12,3 Mrd. Euro erwartet. Der EU-Markt lässt hingegen stark nach und fällt um 8,3 Prozent auf 54,1 Mrd. Euro. Insbesondere Flachbildfernseher verkaufen sich gut in Deutschland - es wird ein Umsatzzuwachs von 2,9 Prozent auf 6,1 Mrd. Euro prognostiziert. Auch digitale Set-top Boxen und BluRay Player werden Zuwächse verzeichnen können. Deutschland ist der größte Ländermarkt für Unterhaltungselektronik in der EU.


 

19. Mai 2010: 60 Prozent der Deutschen shoppen online

Eine kürzlich von Forsa/Bitkom durchgeführte Umfrage hat festgestellt, dass inzwischen 60 Prozent der Deutschen über 14 Jahren im Internet einkaufen. Dies entspricht einem Zuwachs von 10 Prozentpunkten im Vergleich zum Jahr 2008. Online-Zahlungssysteme wie Paypal, T-Pay oder Click-and-Buy spielen in dieser Entwicklung eine nicht unbedeutende Rolle. 17 Prozent der Bevölkerung haben bereits eines dieser Systeme genutzt (+6 Prozentpunkte zum Vorjahr). Am beliebtesten sind diese Systeme in der Altersgruppe der 30 bis 40-jährigen. Dort sind 29 Prozent bei mindestens einem Bezahlsystem registriert. Nichtsdestotrotz sind klassische Papierrechnungen nach wie vor die beliebteste Bezahlform für Online-Bestellungen, gefolgt von Vorkasse, Bankeinzug, und Nachnahme. Kreditkarten werden am wenigsten verwendet.


 

20. April 2010: Bierkonsum in Deutschland weiter hoch

Im vergangenen Jahr betrug der Gesamtkonsum von Bier und Biermischgetränken (exklusive nichtalkoholisches Bier und Malztrunk) insgesamt 86,1 Millionen Hektoliter. Dies entspricht einem Pro-Kopf Verbrauch von 121,4 Litern aller Personen ab 15 Jahren. Statistisch lässt sich somit feststellen, dass jeder Bierkonsument im Durchschnitt eine kleine Flasche Bier (0,33 Liter) pro Tag trinkt.


 

25. März 2010: 2,9 Millionen Käufer von E-Books erwartet
Nach einer representativen Umfrage für den Branchenverband Bitkom zufolge kann dieses Jahr mit bis zu 2,9 Millionen Konsumenten gerechnet werden, die ein E-Book zu kaufen beabsichtigen. Dies entspräche einer Wachstumsrate zum Vorjahr von 32 Prozent. Es wird erwartet, dass sich E-Books zunächst im Bereich der Fachliteratur durchsetzen werden, da insbesondere hier von Suchfunktionen Gebrauch gemacht wird. Dennoch sind auch jüngere Konsumenten (zwischen 14 und 24 Jahren) am Erwerb von E-Books interessiert - jede(r) zehnte plant in dieser Gruppe eine Anschaffung.